Sagt nicht Indianer zu ihnen

24.01.2022 - 20:38 Uhr
avatar  Mato
#1 Sagt nicht Indianer zu ihnen
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Der, der am meisten
Grummelt.
Forenbär halt :-)

Native American oder First Nations sind die Wörter die wir suchen

Wir bezeichnen uns selbst als Deutsche, Schweizer, Österreicher und Belgier. Warum aber nennen wir die nordamerikanischen Völker einfach nur Indianer? Es sind Hopi, Lakota, Shawnee, Makah und viele andere Völker.

Warum wird der Indianer eigentlich Indianer genannt?

Historisch könnte man jetzt mit Christopher Kolumbus und seiner Fahrt nach "Indien" agumentieren, aber ist dies wirklich richtig? Oder ist es nicht auch hier einer der vielen Dinge in denen die "alte Welt" der "neuen Welt" einfach Begriffe und Wirklichkeiten vorgibt? Könnte es nicht auch sein, dass der Begriff Indianer der erste Schritt ist und war den alten Völkern auf dem amerikanischen Kontinent ihre Kultur und Geschichte zu nehmen.

Wir möchten auf dieser Seite versuchen zu erklären, warum "First Nations" und "Native Americans" die Wörter die man für die Benennung der nordamerikanischen Ureinwohner benutzten sollte sind.

Wie sieht es eigentlich bei uns aus?

Von Kultur und Gemeinschaft 
Werfen wir zunächst einen kleinen Blick auf die Landkarte und schauen in unseren alltäglichen Wortschatz. Es gibt dort die Bayern, die Schwaben, die Hessen, die Hamburger, die Norddeutschen, die Berliner, die Sachsen, die Rheinländer, die Pfälzer ... - alles Begriffe und Wörter die wir selbstverständlich benutzen. Es ist unsere Herkunft. (Selbstverständlich gibt es die gleichen Begrifflichkeiten auch in Österreich, der Schweiz und in allen anderen Ländern.)

Jeder Teil eines Landes hat bestimmte Kulturen und Traditionen. Manche davon gibt es auch anderswo gleich oder ähnlich, andere Dinge führen eher zu einem Kopfschütteln. Bestimmte Dinge werden in der Regel gleich mit einer bestimmten Gruppe verbunden:

  • die Schwäbische Kehrwoche
  • der Bayerische Biergarten
  • die Berliner Schnauze
  • der Rheinländische Frohsinn

Wir nennen uns Deutsche, Österreicher, Schweizer, Däne oder Belgier. Jedes Land in dem man die deutsche Sprache spricht hat seine eigenen kleinen Dinge auf die er besonders stolz ist. Reden wir aber - obwohl wir alle die gleiche Sprache sprechen - aber immer von der "deutschen" Geschichte?

Schauen wir jetzt wieder auf die Landkarte. Wir finden die Iren, die Schotten, die Engländer, die Waliser. Letztere sind in unserer Begrifflichkeit doch schon ein wenig unterrepräsentiert. Das Wort "die Briten" wird halt schon auch immer wieder gerne benutzt, wenn wir von dein Einwohnern des Vereinigten Königreichs sprechen.

Wir gruppieren in unserer Sprache und Kultur sehr gerne. Nehmen wir als Beispiel einfach mal die Skandinavier (Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, Island) und die Iberer (Portugal, Spanien).
Hier ist es eigentlich ähnlich wie bei uns "Deutschen". Trotz mehrerer Länder und unterschiedlicher Sprachen gibt es doch sehr viele Gemeinsamkeiten. Auch die Geschichte verwebt sich deutlich miteinander. Iberer und Skandinavier sind daher auch durchaus Begriffe, die von den Menschen in diesen Ländern durchaus selbst und auch stolz verwendet werden.

Bezeichnen wir uns selbst aber im Alltag ausschließlich als Europäer?

Und in Amerika? 
Schauen wir jetzt also über den Atlantik und betrachten uns die Welt auf dem nordamerikanischen Kontinent. Wir sehen, wenn wir Mexiko dazunehmen, "nur" 3 Länder. Die USA, Kanada und Mexiko. Also die Amerikaner, die Kanadier und die Mexikaner in unserer Sprache. Aber sind es wirklich nur diese 3 Bezeichnungen? Der Franco-Kanadier für alle französisch sprechenden Bewohner*innen von Kanada benutzen wir auch noch sehr gerne. Und was ist mit dem Texaner oder texanisch? Das kommt auch sehr oft in der sprachlichen Nutzung vor.

Warum sprechen wir eigentlich im Alltag nicht immer ausschließlich von den Amerikanern, wenn wir über die USA, Kanada und Mexiko uns unterhalten?

Und wie ist es mit der Geschichte?  In der Schule beginnt die amerikanische Geschichte in unseren Büchern mit Christoph Kolumbus und seiner Irrfahrt über den Atlantik auf der Suche nach Indien. Aber war das Land wirklich erst dann da? Dann hätte Kolumbus nur leeres Land ohne Menschen vorgefunden. Es gibt also eine "amerikanische Geschichte" bereits vor der Ankunft der ersten Menschen aus Europa.
Das wir diese jetzt in der Schule nicht ausführlich lernen ist allerdings durchaus verständlich. Irgendwo muss ja die Grenze zwischen "wichtig" und "unwichtig" gezogen werden. Für Schüler*innen in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und in Belgien gilt das gleiche wie auch in den anderen Ländern: Man schaut lieber näher und intensiver vor die Haustür.

Warum aber haben bestimmte Gegenden und Kontinente (z.B. Nord- und Südamerika sowie Australien) dennoch in unserem geschichtlichen Blick mit den Dingen die die Menschen aus Europa dort erlebt und getan haben?

Wie ist das denn jetzt mit den "Indianern"?

Warum eigentlich Native American oder First Nation? 
Am 29 Januar 2018 waren beim US-Bureau of Indian Affairs (BIA) 573 verschiedene indigene Völker oder Stämme auf den Gebiet der USA registriert und offiziell anerkannt. Hier sind noch nicht die Völker und Stämme eingerechnet, die ihre Heimat auf dem heute kanadischen Teil des Kontinentes haben.
231 dieser 573 "anerkannten" Völker und Stämme leben alleine im Bundesstaat Alaska. Bleiben also 342 Native American Tribes für den Hauptteil der USA übrig.

In der deutschen Sprache gibt es für diese 342 unterschiedlichen Völker ein einziges Wort - Indianer. Egal wo sie wohnen, in welcher Art von "Haus" sie wohnen. Ob sie ursprünglich sesshaft oder wandernd waren.
In der englischen Sprache sieht es theoretisch nicht gerade besser aus. "Bureau of Indian Affairs" (Büro für indianische Angelegenheiten) ist hier auch bereits in diesem Abschnitt das beste Beispiel dafür. Könnte es allerdings nicht auch als Büro für indische Angelegenheiten übersetzt werden?

Hier gibt es direkt schon den kleinen sprachlichen Unterschied: 
342 unterschiedliche Native American Tribes im Kernland der USA bedeuten aber gleichzeitig auch 342 unterschiedliche Geschichten. Gleichzeitig aber auch unterschiedlichste Formen von Kultur, Lebensweisen, Schöpfungsgeschichten und natürlich Sprachen. Wie auch in Europa gibt es auch bei den amerikanischen Ureinwohnern kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten, die sich letztenendlich zu den - aus unserem Blickwinkel - größeren Stämmen (wie Lakota, Zuni, Apache ...) zusammenfinden.
Aber ist es nicht eher so, dass diese größeren Stämme als indigene Völker mit unserer Definition so übereinstimmen, wie eben auch die Deutschen, die Franzosen, die Polen, die Italiener? Warum lassen wir genau das aber in unserer Sprache sein und reden von "dem Indianer" den es eigentlich gar nicht gibt?

"Der Indianer" lebt nicht in Tipis. - Es gibt unzählige Formen der Behausung.
"Der Indianer" lebt nicht vom Büffel. - Die Küstenvölker kannten ihn nicht mal.
"Der Indianer" hat keinen Totempfahl. - Pfähle schnitzen nur die Küstenvölker.
"Der Indianer" hat keine einzelne Sprache. - Wenn das so wäre, hätte es die Zeichensprache als Hilfe zur Verständigung bereits vor dem Einzug der Europäer nie gegeben.
Warum nennen wir diese 342 unterschiedlichsten Kulturen auf dem Gebiet der USA zusammen mit den anderen Völkern und Stämmen in Kanada, Mexiko und dem restlichen Mittel- und Südamerika jetzt alle mit dem gleichen Wort?

Warum nehmen wir nicht einfach den Begriff, den die unterschiedlichen Tribes selbst benutzen? Warum machen wir es nicht einfach so wie auch bei uns selbst?

Die amerikanischen Ureinwohner sprechen von sich selbst zu allerst als dem Teil des Volkes, dem sie selbst angehören. Reicht das als Abgrenzung noch nicht aus, geht es - sofern vorhanden - auf die nächst größere Ebene nach oben. Als letztes kommt ein Sammelbegriff. Dieser Sammelbegriff unterscheidet sich allerdings bei den Tribes in den USA und den Tribes in Kanada.
In den USA wird "Native American" benutzt. Die kanadischen Tribes sprechen von sich als "First Nations".

Beispiel: Schauen wir doch einmal in den Inbegriff des "Indianers" in Deutschland. Für uns gehört der normale Indianer in die Prärie und in seine Tipis.

Alleine bei den Sioux gibt es in den USA 13 unterschiedlich anerkannte Tribes.
USA:  "Ich bin ein Oglala." "Ich bin ein Santee." "Ich bin ein Standing Rock Sioux." "Ich bin ein Lower Brule."
Deutschland:  "Ich bin ein Rheinländer." "Ich bin ein Berliner." "Ich bin ein Schwabe." "Ich bin ein Franke."

Als Zwischenschritt gibt es jetzt wahrscheinlich auch bei dem ein oder anderen folgendes:
USA:  "Ich bin ein Sioux."
Deutschland:  "Ich bin ein Rheinland-Pfälzer." "Ich bin ein Hesse."

Als nächstes kommt dann die große Zusammenfassung in den einzelnen Kulturen.
USA:  "Ich bin ein Lakota." - als eigenständige Zusammenfassung und Bezeichnung aller Völker und Stämme der Lakota-Sprachfamilie.
Europa:  "Ich bin ein Deutscher." "Ich bin ein Franzose." "Ich bin ein Däne."

Erst als letzter Schritt bzw. dann wenn unterschiedliche Kulturen sich zusammenfinden oder zusammengefasst werden.
USA:  "Ich bin ein Native American."
Europa:  "Ich bin ein Europäer."

Quelle: Indianerwissen

Liebe Grüße von Mato


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28.01.2022 - 22:24 Uhr
avatar  Barbara
#2 RE: Sagt nicht Indianer zu ihnen
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Eine liebe Freundin
aus Kanada

Unsere Regierungen haben ihnen so viel genommen. In der Tat hat man alles getan damit sie verschwinden. Aber sie sind nicht verschwunden und heute behaupten sie sich endlich mehr und mehr.


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28.04.2022 - 11:55 Uhr
avatar  Rafaela
#3 RE: Sagt nicht Indianer zu ihnen
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Tierfreundin

Ein sehr interessanter Bericht!

Wenn man sich nicht damit beschäftigt, dann weiß man als Europäer das nicht so genau wie die Ureinwohner in Amerika angesprochen werden wollen. Jetzt wissen wir es.


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21.10.2022 - 20:59 Uhr (zuletzt bearbeitet: 21.10.2022 - 21:01 Uhr)
avatar  Bine76
#4 RE: Sagt nicht Indianer zu ihnen
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Mato's beste Freundin
aus Ösiland

Ich selbst benutze auch dir Bezeichnung Native Americans, aber die Hysterie welche bezüglich der Bezeichnung Indianer von den Karl May Büchern gemacht wird, finde ich total übertrieben und hysterisch - genau so wie die Mohr, Neger, Zigeuner etc. da alle Bezeichnungen einen erklärbare und für mich keine rassistischen Ursprung haben und auch von vielen selbst nicht als abwertend empfunden wird - natürlich bin auch ich der Meinung die richtige Benennung für alle zu nutzen, wenn man sie kennt - aber allein die Disskusion über solche Themen bringt den "rassistischen Beigeschmack" erst mit sich, wenn man so diskutiert - ich finde, dass die Wertschätzung nicht unbedingt an einem Namen festgeschrieben sein sollte, sondern am Verhalten gegenüber eines Native American/Indianers oder anderen Kulturen. Leider versteht mich kaum jemand wie ich dies meine - aber es ist meine Meinung hierzu! Und jeder der mich kennt, weiss hoffentlich wie ich das meine - ansonsten - zerreißt mich!😜

LG Bine


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